KHS- Interview : aktuelle Preisentwicklung für Pariser Appartements

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veröffentlicht in “CONTACT”, – der offiziellen Zeitschrift der “deutsch- französichen Industrie- und Handelskammer”;
Mai 2010
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CONTACT: Herr Schabmüller, Sie haben sich seit 1994 mit Ihrer Firma „KHS Immobilier Sarl“ auf den Verkauf und die Vermietung (möbliert) von attraktiven Appartements in Paris spezialisiert. Welche Tendenzen haben Sie im Lauf des letzten Jahres beobachtet?

Karl- Heinz Schabmüller: Das Jahr 2009 war,- wie jeder weiss, – von der globalen Finanzkrise geprägt und diese hat offensichtlicherweise einen grossen Einfluss auf den Immobilienmarkt. In Paris brach zwischen dem 3. Quartal 2008 und dem 1.Quartal 2009 das Kreditvolumen an Privatpersonen um 44% ein.

CONTACT: Und welche Auswirkungen hatte dieser Einbruch auf den Pariser Immobilienmarkt?

Karl- Heinz Schabmüller: Die Pariser Notarskammer berichtet, dass in den ersten beiden Quartalen 2009 das Verkaufsvolumen bei freistehenden Altbauwohnungen um 24.4% p.a. und 38.7% p.a. nachgab. Im dritten Quartal 2009 wurde dann eine Zunahme von 8.1% p.a. registriert.

CONTACT: Und wie haben sich die Preise entwickelt?

Karl- Heinz Schabmüller: Der offizielle Durchschnittspreis für Paris „Intramuros“ ist im zweiten und dritten Quartal 2009 jeweils um über 7% p.a. und im vierten, in dem ein Durchschnittspreis von 6.250 €/m² festgestellt wurde, nur noch um 3,9% p.a. gefallen. Für den Januar 2010 melden die Notare einen weiteren Preisrückgang von 2.0% p.a., -allerdings hat die Anzahl der Transaktionen um beträchtliche 34.0% p.a. zugenommen.

CONTACT: Wo liegen die jeweils teuersten und günstigsten Arrondissements?

Karl- Heinz Schabmüller: Seit Ende der 1990iger Jahre ist das 6.Arrondissement um „Saint Germain- des- Prés“ der teuerste Bezirk. Im dritten Quartal 1997 kostete der Durchschnittsquadratmeter hier beispielsweise noch 3.340 €, der Preis stieg sodann kontinuierlich an und erreichte seinen Höhepunkt im 4. Quartal 2008 mit 10.040€, bevor er dann im 4.Q/2009 auf 9.010€ absackte. Das 4. Arrondissement ( südliches Marais und Insel „Saint Louis“) rangiert jetzt mit 8.900€/m² an zweiter Stelle, gefolgt vom 7. Arrondissement am Südufer der Seine mit 8.890 €/m², welches lange die zweite Position hielt.

Die günstigsten Appartements findet man weiterhin in der Nordostspange der Stadt in den Arrondissements 18 bis 20, wobei das 19. mit einem Durchschnittspreis von 4.720 €/m² erneut die niedrigsten Preise aufwies.

CONTACT: Wie entwickelten sich die Immobilienmärkte in Paris im Vergleich zu denen in Deutschland ?

Karl- Heinz Schabmüller: Extrem unterschiedlich! Eine im September 2009 vom GEWOS- Institut vorgelegte Studie zeigt folgende, sehr erstaunliche Zahlen: Wer in Deutschland/ West im Jahr 1995 eine Durchschnittswohnung zum Preis von 100 Geldeinheiten kaufte, konnte sie im Jahr 2008 nur wieder für nominal 100 GE veräussern, in Ostdeutschland sogar nur für 90 GE. Die deutsche Stadt mit dem stärksten Wachstum war München, wo man dann 2008 immerhin 127,6 GE bekam.

Sehr kontrastreich hierzu präsentieren sich die Pariser Zahlen: Wer 1995 im 6. Arrondissement ein Durchschnittsappartement zum Preis von 100 GE kaufte, konnte es 2008 für 244 GE verkaufen, im 16 Arrondissement bekam der Investor dafür 222 GE. In den anderen Bezirken sehen die Zahlen ähnlich aus.

CONTACT: Dann stehen wir hier in Paris jetzt wohl kurz vor dem Absturz?

Karl- Heinz Schabmüller: Das sehen die Experten anders. Nachdem das Ärgste der Finanzkrise wohl überstanden ist, weist die französische Volkswirtschaft zwei Schwachpunkte auf: einerseits einen Verschuldungsgrad der öffentlichen Haushalte von 77,6 des BIP, zum anderen eine Arbeitslosenquote von knapp unter 10%.

Nichtsdestoweniger prognostiziert aber die OECD für das laufende Jahr ein Wirtschaftswachstum von 1,4% und für das kommende ein Plus von 1,7%. Der Verschuldungsgrad der privaten französischen Haushalte ist gering und durch die gefallenen Immobilienpreise haben jetzt neue Käuferschichten Zugang zum Markt erhalten. Die Situation wird derzeit weiter begünstigt durch sehr niedrige Zinsen, – meine Hausbank bot mir kürzlich einen Eingangszinssatz von nur 3,35% an – und durch Regierungsprogramme wie „Loi Scellier“ oder „Loi Malraux“.

Vor diesem Hintergrund erwarten sowohl die Pariser Notarskammer als auch die überwiegende Mehrheit der Fachleute derzeit einen sich weiter normalisierenden Immobilienmarkt.